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Gretchen – einzlkind

Gretchen Morgenthau ist 75 Jahre alt, eine ehemalige Theaterschauspielerin und alles andere als eine alte Oma. Passende Worte zu finden, die ihr gerecht werden, ist fast unmöglich. Gretchen ist eine emanzipierte, stets von sich überzeugte Frau. Sie hat zu jedem Thema was zu sagen. Sie strotzt vor Charme und Humor. Ihre gewiefte Art ist in so ziemlich jeder Situation äußerst witzig.

Einzlkind Gretchen Rezension auf www.nixzulesen.de

Gretchen hasst Rosinen. (Das macht sie mir noch so viel sympathischer.) Sie geht einmal wöchentlich in Ihr Lieblingscafé um dort Apfelkuchen zu essen. Doch nun sind zum ersten Mal Rosinen im Kuchen. Rauspicken und an den Tellerrand legen, kommt für Gretchen nicht in Frage. Dieser Blöße gibt sie sich nicht hin. Also muss sie sie wohl oder übel essen. Ihre beste Freundin Fine erzählt ihr währenddessen, dass sie ein Buch schreiben will. Gretchen sagt daraufhin:

Hauptsache, du benutzt kein Pseudonym. Es gibt nichts Schlimmeres, als Schriftsteller mit einem Pseudonym. Ich habe zwei kennengelernt. Idioten. Beide.

Hier finden wir eindeutig eine Anspielung auf den Autor des Buches. Einzlkind ist der Öffentlichkeit bisher nicht bekannt. Laut Angaben des Heyne Verlags werden seine Bücher nicht übersetzt. Es wird vermutet, dass der Autor männlich ist und in England oder Deutschland lebt.

Eine weitere urkomische Situation ist die Gerichtsverhandlung. Gretchen ist die Angeklagte. Gretchen erhebt Einspruch gegen Rosinen im Apfelkuchen. Das hat selbstverständlich nichts mit der eigentlichen Verhandlung zu tun. Aber so ist Gretchen eben. Sie ist angeklagt wegen Betrunkenheit im Straßenverkehr.

Ich hatte kaum getrunken. […] Sechs oder sieben Gläser. Auf keinen Fall mehr als acht.

Das Kontrollgerät der Wachtmeister war natürlich kaputt. Es folgen Beleidigungen und Drohungen gegenüber der kontrollierenden Polizistin. Es ist einfach herrlich amüsant zu lesen. Gretchen wird verurteilt mit den Bewohnern der Insel Gwynfaer, in der Nähe von Island, vier Wochen ein Theaterstück zu erproben und es anschließend aufzuführen.

Gretchen reist nach Island

Als Gretchen auf Gwynfaer ankommt, wird sie vom Bürgermeister herzlich begrüßt. Ihr wird ein persönlicher Assistent zugewiesen: der 18jährige Kyell. Sie entscheidet sich dafür das Theaterstück Peer Gynt einzustudieren.

Gretchen lernt hier auch Tuva kennen. Tuva backt den wohl besten Apfelkuchen, den Gretchen je gegessen hat. Und das auch noch ganz ohne Rosinen… Was für ein Glück.

Auch auf Gwynfaer widerfahren ihr merkwürdige Situationen. Wobei diese Situationen eher durch Gretchen erst merkwürdig werden. Sie feiert mit einigen jungen Männern, die sie kennenlernt und wacht erst nach drei Tagen im Delirium wieder auf. In der Zwischenzeit hat Tule, der ernannte Regisseur, eigenmächtig entschieden ein anderes Stück namens „Attila Cocteau“ aufzuführen. Er überredet Gretchen sich einen Teil der Probe anzuhören bevor sie gänzlich ablehnt. Gretchen ist danach so baff, dass sie nach über 30 Jahren wieder zur Zigarette greift.

Ich könnte das ganze Buch hier beschreiben. Aber das würde wohl zu weit führen.

Einzlkind schreibt einfach grandios. Jedes Kapitel kann man sich sofort bildlich vorstellen. Es ist von Anfang bis Ende humoristisch geschrieben. Seine Worte sind wie ein Gedicht. Beim Lesen spielt sich mir das ganze Buch wie ein Film im Kopf ab. Eine Verfilmung dieses Buches kann ich mir wirklich gut vorstellen und würde sie mir in jedem Falle ansehen.

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