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Der goldene Handschuh – Heinz Strunk

Zum Goldenen Handschuh

Heinz Strunk schreibt über Fritz Honka, der in den 70er Jahren als Serienmörder bekannt wurde. Das Buch ist die biographische Darstellung Honkas.

Um das Bild zu verstehen, muss man das Buch gelesen haben. Und es ist wirklich lesenswert!

Strunk beschreibt auf den ersten etwa 200 Seiten das Leben Honkas vor den Morden. Fritz Honka stammt aus Leipzig, lebt mittlerweile in Hamburg und verkehrt in diversen Kaschemmen auf der Reeperbahn. In der Kneipe Zum Goldenen Handschuh ist er als Fiete bekannt. Im Lebensmittelpunkt stehen Korn, und damit ist nicht die Band gemeint, und Sex. Honka ist kein attraktiver Mann. Er schielt, ist klein und seine Augen stehen zu weit auseinander. Dennoch lässt er kaum eine Chance ungenutzt Frauen anzubaggern. Er sucht sich meist ältere vereinsamte Frauen, die sich prostituiert haben und noch prostituieren. Er liebt es ihnen ihren freien Willen zu nehmen und lässt sich das sogar unterschreiben. Er spielt gern den Dominanten und demütigt „seine“ Frauen. Später findet er eine Anstellung als Nachtwächter bei Shell. Hier vergewaltigt er beinah seine Kollegin, von der er denkt, sie würde mehr von ihm wollen.

Versteckter Ekel oder doch offensichtlich?

Auf den ersten Seiten habe ich einen noch mehr oder weniger versteckten, nicht unbedingt offensichtlichen, Ekel empfunden. Wer Das Parfum* von Patrick Süskind gelesen hat, weiß, was ich damit meine. Die Vorstellungskraft ist größer als die geschriebenen Worte.

Je mehr ich las, desto offensichtlicher wurde die Abscheulichkeit. Die Vorstellung, dass all das vermutlich genau so oder doch sehr ähnlich tatsächlich passiert ist, macht dieses Buch so unglaublich widerlich. Die Sprache ist verrucht. Sie strotzt nur so vor Ekel. Meine Mundwinkel verzogen sich beim Lesen immer wieder nach unten. Tatsächlich gab es sogar einige wenige Stellen, die ich witzig fand. Die Abartigkeit überwog jedoch.

Obwohl es sich bei Fritz Honka um einen psychopathischen Serienmörder handelt, schafft Strunk es, dass man doch irgendwie Mitleid mit Honkas bisherigem Leben empfindet. Er hatte kaum eine Chance aus dem Elend herauszukommen. Obwohl man weiß, was später passiert, dass er Morde begehen wird, hofft man irgendwie, dass er mit der Anstellung als Nachtwächter die Kurve bekommt.

Die Morde passieren erst auf den letzten etwa 50 Seiten. Dafür aber geballt. Das Buch wurde keineswegs langweilig. Ich bin tatsächlich irgendwie froh, dass ich es bis zum Ende geschafft habe.

Strunk selbst sagt von seinem Werk, dass es wohl sein bestes Buch bleiben wird. Eine Aussage, die ich nicht schön finde. Ist sein Anspruch für folgende Romane so gering? Für diese Geschichte gewährte man Strunk den Zugang zu sämtlichen Polizeiakten. Daraus entstand ein Buch, welches 2016 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert wurde. Es ist ein Must-have. Mitleiderregend und erschreckend zugleich: Der goldene Handschuh* von Heinz Strunk.

 

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Ein Kommentar

  1. maraike maraike

    Also ich fand das Leben von Fritz Honka durchaus interessant. Man lernt einiges über die Psyche eines schwerkranken Menschens. Den Mitleid mit Honka kann ich auch nachempfinden. Ich denke, uns ist irgendwo klar, dass wenn er die Kurve bekommen würde, dass er dann auch die Morde nicht begangen hätte. Etwas provokant muss ich aber auch anmerken: eventuell war es für die Frauen manchmal auch das beste. Ein schönes Leben hatten die ebenfalls nicht.
    Das Leben von ihm war wie gesagt interessant, sollte dies aber wirklich Heinz Strunks bestes Werk bleiben, dann interessiert mich der Rest von ihm nicht. Die eigentliche Leistung liegt meiner Meinung nach in der Überlebenskuns Honkas….aufgeschrieben hat es dann eben Strunk.

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