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Einer von uns – Åsne Seierstad

Am 22. Juli 2011 sterben bei einem Attentat in Oslo und auf der Insel Utøya  77 Menschen. Viele davon Jugendliche. Einige Stunden nach der Tat stellt sich heraus, dass es sich bei dem Attentäter um den Norweger Anders Behring Breivik handelt.

Hat nicht viel mit dem Buch zu tun, nur, dass es eine schöne Landschaft in Norwegen ist.

 

Åsne Seierstad  hat eine sehr feinfühlige Biographie über den Mann geschrieben, der das Leben vieler Norweger  kaltblütig verändert und beendet hat. Sie hat nie mit Breivik persönlich geredet (er hat es abgelehnt), ihre Informationen stammen von vielen Menschen, die ihn kannten sowie von der Gerichtsverhandlung. Umso faszinierender ist es wie verständlich und dennoch recht neutral sie sein Leben beschreibt.

Breiviks Leben vor dem Anschlag

Das Buch beginnt mit seiner Geburt am 13. Februar 1979. Seine Mutter Wenche ist stark überfordert mit seiner Erziehung, zwischenzeitlich lebt er am Wochenende bei Pflegeeltern. Das Jugendamt soll handeln, doch das geht irgendwann unter. Er tut sich schwer Freundschaften zu schließen, findet aber dennoch seinen Jugendfreund Ahmad.  Der Name wurde geändert, aber es handelt sich um einen Immigranten. Das ist deshalb interessant, weil Breiviks Tat eher nationalistisch und vor allem antiislamistisch geprägt war. In seiner Jugend fühlt er sich dem HipHop zugehörig und ist in der Graffitiszene aktiv, wird mehrmals verhaftet. Es kommt zum Bruch mit dem Vater, der schon seit Jahren in Frankreich lebt.

Eine von uns von Asne Seierstad auf www.nixzulesen.de
Ein neutrales Bild für ein neutrales Buch (abgesehen von den Steinen, die sind natürlich super)

Nach der Schule verdient er zunächst sein Geld mit gefälschten Urkunden. Das Geschäft läuft gut, er zieht in eine wohlhabende Gegend. Er kauft sich teure Kleidung, geht nicht aus dem Haus ohne etwas Make-Up aufgetragen zu haben. Er wird Mitglied in der rechtspopulistischen Fremskrittpartei. Dort engagiert er sich, erfährt aber wenig Anerkennung.  Nachdem er seine Arbeit aufgegeben hat, wird das Geld knapp. Er zieht wieder zurück zu seiner Mutter. Es folgt ein zweijähriges Einigeln in sein altes Kinderzimmer, wo er fast durchgehend World Of Warcraft spielt. Relativ spontan hört er damit wieder auf und beginnt sein Manifest zu schreiben. Spätestens ab diesem Zeitpunkt dürfte sich sein Plan von dem Attentat geformt haben. Er kauft ein Grundstück außerhalb von Oslo. Dort beginnt er die Bombe zu bauen. Alles protokolliert er schriftlich. Sein Verhalten beginnt paranoide Züge anzunehmen. Zusätzlich nimmt er Steroide, die ihm Hochgefühle verleihen. Er schafft alles rechtzeitig zu bauen. Der Rest ist Geschichte.

Das Leben seiner Opfer

Wir lernen aber nicht nur vieles über Behring-Breivik . Auch einige seiner Opfer lernen wir näher kennen. Die Jugendlichen von der Insel waren fast alle unter 20. Einige hätten fast ihre Anreise nach Utøya verpasst. Das ist besonders bitter, sie könnten noch leben. Das wird einem während des Lesens klar, bevor man es weiß.

Seierstad schafft es das Buch mit sehr viel Würde zu schreiben. Sie überlässt es dem Leser ein Urteil zu fällen. Auch analysiert sie ihn nicht. Anfangs hat mich das Buch eher an einen Roman erinnert. Sie beschreibt nicht nur den Attentäter, sie beschreibt seine Mitmenschen und seine Umgebung als würde sie jeden einzelnen kennen. Wir erfahren auch einiges über Oslo und Norwegen. Es wird dadurch sehr fesselnd und interessant.

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